Lebenszeichen (Update auf Deutsch)

Soooooo jetzt, wo ich 20 bin, wollte ich euch nochmal auf Deutsch ein bisschen was über meine momentane Situation erzählen…

Dies ist mein Update:

Ich werde versuchen ehrlich zu sein, was meine Situation und meine Gefühle angeht. Gerade sitze ich, wie immer wenn ich zuhause bin, weinend auf meinem Bett… Also ich weine nicht richtig, sondern bin ziemlich gefühllos und leer und habe Tränen in den Augen. Mein Bett und ich wir sind unzertrennlich. Leider.

Ich weiß nicht warum, aber mit meiner momentanen Situation komm ich einfach nicht klar. Ich fühle mich komplett überfordert und allein. Ich fühle mich, als würde mich niemand verstehen. Als ob alle mir misstrauen, mich verfolgen, beobachten und mich kontrollieren. Vor allem meine Mama war in letzter Zeit immer ziemlich misstrauisch was das Essen und mein Gewicht angeht.

Dabei läuft es mit dem essen momentan sehr gut, obwohl ich durchweg das Gefühl habe, zuzunehmen. Ich hab das Gefühl, dass mein Gewicht bis ins Unermessliche ansteigt. Und trotzdem verurteilt meine Mama mich tagtäglich mit ihrem prüfenden Blick. Sie kritisiert meine Oversize-Sweaters, Baggypants, Sweatpants und es fuckt mich so ab!!!

Ich hab keinen Bock mehr auf die Scheiße. Ich mache doch alles! Ich esse und esse und esse. Ich hab täglich feste Mahlzeiten und nehme immer was mit zur Uni. Ich esse sogar vor anderen (neuen Bekanntschaften und alten Freunden) und ich gehe sogar in Restaurants essen!

Ich esse IMMER auf – sogar, wenn die Portion eigentlich viel zu groß was, wenn sie meinen täglichen Rahmen sprengt und ich eigentlich schon längst satt bin.

Ich gehe nach dem Essen NIE zur Toilette, oder ich lasse die Tür auf, weil ich Angst habe, dass meine Mama denken könnte, dass ich über dem Klo hänge.

Ich mache alles, was in meiner Macht steht.

Aber offensichtlich ist das noch nicht genug…

Das ist der Grund, weshalb ich mich tagtäglich frage, wofür ich mich überhaupt so anstrenge… Wofür mache ich mir die Mühe, wenn es immer noch nicht reicht?!

Ich zweifel mittlerweile daran, dass das der richtige Weg ist.

Es wäre so viel einfacher, würde ich einfach wieder aufhören zu essen und abnehmen.

ABER wisst ihr was???

Ich werde nicht wieder den einfachen Weg wählen, weil das krank ist und dieses psychisch-kranke Verhalten ist – ich weiß nicht – dumm, feige, scheiße, schwach und einfach nur arm… und natürlich FALSCH!

Es ist einfach so falsch!!!

Essstörungen sind ernstzunehmende Krankheiten und ein Leben mit dieser Scheiße ist alles andere als erstrebenswert!

Warum will ich krank sein? Was hätte ich davon?! (Nicht falsch verstehen!!! Ich bin noch lange nicht gesund!)

Ich will doch nur normal sein!

Ich will studieren, neue Freunde finden, Spaß haben und neue Orte kennenlernen! (Also momentan WILL ich das noch nicht, aber ich rede mir jeden Tag ein, dass ich ein schönes Leben will und dass ich mein Leben nicht beenden will!)

Was ich wirklich mal wieder will, ist glücklich sein, wenn auch nur ganz kurz, nur einen Moment aber momentan kann ich mir nicht mal vorstellen, glücklich zu sein! Dafür ist es zu weit weg und das ist blöd!

Momentan weine ich jeden Tag. Ich bin so furchtbar müde und bin diese Gedanken (Selbstverletzungs– und Suizidgedanken), Zusammenbrüche, Flashbacks und einfach alles so leid. Ich bin es leid zu leben und mein Umfeld versteht nicht, wie sehr ich jeden Tag zu kämpfen habe…

Um ehrlich zu sein, gibt es momentan viele Rückschläge.

In den letzten Wochen hab ich mich ein paar Mal aus Versehen übergeben. Hört sich lächerlich und wie eine dumme Ausrede an?

Ist es nicht -glaubt mir!

Nach dem Essen ist es sehr anstrengend und schwierig für mich, alles bei mir zu behalten. Wenn ich mich falsch hinsetze, aufstehe, mich hinlege oder vornüber beuge, muss ich mich übergeben… Es kommt dann halt einfach und manchmal hab ich keine Chance es aufzuhalten.

Ich versuche es zu lassen, aber es ist nicht ganz einfach.

Mein Selbstverletzungsdruck ist extrem hoch zur Zeit und ich weiß nicht, wie ich damit klarkommen soll…

Ich bin einfach nicht der Mensch, der Skills benutzt, damit es ihm besser geht.

Ich tue mir einfach nichts Gutes!!! Das kann und will ich nicht!

Andererseits kann ich mich aber nicht verletzen, weil meine Mama es früher, oder später merkt, wenn sie mich zwingt, ihr meine Arme zu zeigen… Ich will sie nicht schon wieder wegen mir weinen sehen. Ich will sie wegen mir nicht noch mehr weinen sehen.

Erst vor ein paar Tagen hat sie mich gefragt und ich habe ihr meine verheilten Wunden gezeigt und mich auch vor ihr auf die Waage gestellt, weil sie einfach nicht locker gelassen hat und ich mich nicht jeden Tag von ihren Blicken durchbohrt fühlen will!

Meine Mama ist der einzige Grund, weswegen ich noch lebe und ich liebe sie, obwohl ich sie gleichzeitig dafür hasse, dass ich all diese Dinge für sie tue. Das ich die ganze Scheiße mache, um sie davon zu überzeugen, dass es mir gut geht, aber diese „Scheiße“ ist halt mein Leben…

 

Soo ich hoffe, dass ihr jetzt kein komplett anderes Bild von mir habt, aber ich wollte und musste das einfach mal loswerden.

 

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9 Kommentare zu „Lebenszeichen (Update auf Deutsch)

  1. Danke für diese ehrliche Schilderung deiner verzweifelten Lage. Ich muss zugeben, wenn ich deine Mutter wäre, würde es mir wohl auch extrem schwer fallen, richtig zu „gucken“, nicht übergriffig, voller Vertrauen, denn ich wäre in permanenter (und ganz offenbar mehr als berechtigter!) Sorge um dich. Ich habe selbst eine Tochter, glaub mir, ich kann es mir vorstellen. Ihr Tagebuch in der Zeit nicht zu lesen, in der es ihr ähnlich schlecht ging wir jetzt dir, ist mir sehr schwergefallen. Ich habe es trotzdem nicht gelesen, nur hat das mein Gewissen nicht entlastet. Was wäre gewesen, wenn sie darin ihren Suizidplan geschildert hätte, und ich hätte es nicht gewusst und sie nicht gerettet? Sie würde nicht mehr leben, hätte ihr Studium nicht abgeschlossen, hätte nicht promoviert, hätte nicht geheiratet, hätte keine zwei Kinder bekommen … Zum Glück ist das nicht passiert, zum Glück hat sie von einem Suizid abgesehen (genauso, übrigens, wie ich selbst es als Zwanzigjährige knapp geschafft habe). Das Leben ist nicht einfach. Für dich nicht, und für deine Mutter ebenso wenig. Aber du weißt sicher, dass du für dich leben wollen solltest – und nicht für sie. Vermutlich wäre sie die Erste, die dem zustimmen würde. Ich habe Angst um dich und wünsche dir so sehr, dass du aus dem finsteren Loch herausfindest, in dem du im Moment steckst! Bist du denn in Therapie? Wartest du darauf? Hast du sonst eine Begleitung für deine lebensbedrohliche Lage? Denn wie du diese Lage allein bewältigen willst, erschließt sich mir nicht.

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      1. Danke, kann ich brauchen. Ich weiß nämlich gut, wie es ist, täglich zu weinen. Und das ist KEINE ferne Erinnerung. Viel Kraft wünsche ich dir!

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  2. Hey, was du schilderst geht mir sehr nahe und ich wünsche dir von ganzem Herzen, dass es weiter bergauf für dich geht! Ich finde es wahnsinnig toll, wie du dir trotz all der Schwierigkeiten deinen Mut und Optimismus beibehältst!!!
    Aber mal ganz ehrlich, meinst du nicht, es täte besser, auszuziehen, dich von deiner Mutter zu lösen? Sie macht in deinen Beschreibungen schon einen sehr kontrollierenden Eindruck… Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich sagen, dass es für beide das beste war, ein wenig Abstand zu gewinnen.
    Wie es auch weitergeht, alles gute dir! ❤
    Liebe Grüße, Nessa

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    1. Ich würde mich umbringen, wenn ich ihre Kontrolle nicht mehr hätte. Das ist der einzige Grund, weswegen ich an einer Uni in meiner Nähe studiere, weil ich ihr einen Auszug und meinen damit verbundenen Suizid nicht zumuten kann… Sie leidet genug und sie würde es nicht verstehen und mich dafür hassen, weil sie mit ihren Vorwürfen nicht klarkommen würde…
      Sorry dass ich so ehrlich bin, aber es ist so und ich musste mich in letzter Zeit einfach viel zu oft rechtfertigen

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      1. Ich schätze, du machst es richtig. Du bist schließlich erwachsen und weißt, was du tust. Wir können das dagegen alle nicht einschätzen. Mich jedenfalls hätte vor 40 Jahren die Entscheidung, möglichst fern meines liebevoll-kontrollierenden Elternhauses zu studieren, beinahe das Leben gekostet. Nur du allein kannst wissen, was das Richtige für dich ist. Alles Gute dir auf deinem weiteren Weg!

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