Soziale Phobie oder mag ich einfach keine Menschen?

Weil auf Instagram viele gefragt haben, wie sich die Soziale Phobie bei mir äußert, hab ich gestern spontan einen Text darüber geschrieben und versucht das ein bisschen zusammenzufassen. Also seht ihm im Folgenden ein paar Ausschnitte meines Lebens:

Vielleicht kennt das der ein oder andere von euch, dass ihr verabredet seid und auf einmal absagen wollt…
Bei mir ist das immer so:
Ich werde gefragt, ob ich am Tag X Zeit habe, um dann Y zu machen.
Zuerst hab ich ein wenig Angst, sage dann aber natürlich dem Treffen zu.
Ich freue mich jedes Mal, wenn mich jemand fragt darüber, dass Menschen Zeit mit MIR verbringen wollen, aber dann kommen sie – meine Zweifel.
Warum sollte jemand etwas mit mir machen wollen?
Warum fragen sie mich?
Wollen sie einfach nur jemanden dabei haben, den sie ausschließen können?
Fragen sie mich nur, um mich dann dumm auflaufen zu lassen?
Gibt es dieses „Treffen“ wirklich, oder werde ich verarscht und stehe dann alleine da?
Was ist, wenn ich nur gefragt werde, damit sich andere darüber amüsieren können, dass ich das ernst nehme und wirklich davon ausgehe, dass sie mich dabei haben wollen, obwohl sie doch so viel besser sind und so viel besseres haben könnten?
… und so spinne ich mir in meinem Kopf ein undurchwirrbares Netz aus -WAS WÄRE WENNS?
aus – negativen und vor allem IRRATIONALEN GEDANKEN zurecht, bis ich das alles so sehr verinnerlicht habe, dass nur die Angst bleibt…
Und diese Angst bleibt nicht lange alleine!
Hinzu kommt die Angst davor
hin zu gehen und die Angst
abzusagen…
Wenn ich hingehe und das war alles nur ein schlechter Witz, würde ich zerbrechen
Wenn ich absage und es war eine ernst gemeinte Einladung, werden sie mich doch nie wieder fragen, mich ausgrenzen und dann stehe ich ganz alleine da…
Nachher denken sie noch, ich würde mich für etwas besseres halten?!

Ich bin kein spontaner Mensch mehr. Ich muss mindestens 4 Tage vorher von einem Treffen wissen, obwohl das eigentlich richtig dämlich ist, weil ich mir,
je mehr Zeit
zwischen Frage und wirklichem Treffen liegt, nur umso mehr Gedanken mache…
Dann habe ich mehr Zeit, um mir Ausreden zu überlegen. Mehr Zeit mich selbst fertig zu machen und abzusagen.

Denn das ist es, was ich in 80% der Fälle mache…
Dieses Jahr habe ich sogar meinen Geburtstag abgesagt.
Und ich habe es bereut.
Denn das tue ich meistens…

Eine Zeit lang war es mir kaum möglich Einkaufen zu gehen, wobei ich Einkaufen liebe!
Aber ich hatte Angst.
Angst davor, dass ich im Laden jemandem begegnen könnte, dass mich jemand anspricht, oder ich etwas vergesse, was mir erst an der Kasse einfällt. Ich hatte Angst, dass ich zu wenig Geld dabei haben könnte (ich hab immer meine Karte dabei – also mal wieder ein sehr unwahrscheinliches Ereignis…).
Häufig hab ich den Einkauf unter Tränen, Atemnot und extremer Hektik erledigt.
Und ich hatte solche Angst, dass ich eine Panikattacke erleiden könnte, sodass ich den anderen Menschen ausgeliefert wäre.
Hilflos.
Ich hatte Angst und diese Angst hat mich so sehr eingeschränkt, dass ich wochenlang nicht einkaufen gegangen bin.

Dann habe ich begonnen mit meiner Mama zusammen zu gehen, dass ich einen Halt hatte. Das hat mir auf jeden Fall sehr geholfen, doch Mamas sind halt auch nicht immer da…
Und dann kam ich mal am Marktkauf – meinem absolutem Lieblingslebensmittelgeschäft – vorbei.
Und ich bin einfach rein gegangen.
Ich bin nämlich süchtig nach ChaiLatte und wenn mein Vorrat zu neige geht, dann hab ich ein echtes Problem und ich brauchte wirklich ChaiLatte…
Ich war im Marktkauf und habe mir also ChaiLatte geholt und mich noch ein wenig ungesehen…
Und es war wider Erwarten und doch eigentlich und natürlich – gar nicht mal so schlimm!
Man muss halt Einkaufen gehen, wenn man nicht verhungern will…
Und es ist eins der normalsten Dinge überhaupt!
Und es ist fast ein Hobby von mir…
Seit ich wieder öfter gehe, natürlich nur, wenn ich mich stabil genug dafür fühle, sind meine Ängste immer kleiner geworden.

So ist es auch mit dem Bahn fahren.
Ich hatte solche Angst vor öffentlichen Verkehrmitteln. Ich konnte mich lange nicht überwinden in eins einzusteigen – vor allem seit ich mein Auto hatte.
Und ich weiß nicht warum.

Es ist noch immer nicht leicht für mich, aber ratet mal, wo ich diesen Text geschrieben habe???

In der Bahn, auf dem Weg nach Bochum, wo ich mich mit zwei Freundinnen aus der Uni treffe, um mit ihnen shoppen und anschließend Glühwein trinken zu gehen…
Und auch wenn ich nie einen Fortschritte sehe und das Gefühl habe, seit Jahren auf der Stelle zu treten, dann schreibe ich einen solchen Text und führe mir vor Augen, wie weit ich gekommen bin und wie viel Lebensqualität ich zurückerobert habe.
Es war anstrengend, kräftezehrend und hat mich viele Tränen gekostet, aber das war es wert, denn
das war und ist
ALLES NUR IN MEINEM KOPF!
Und auch wenn niemand anders etwas daran ändern kann, bin ich allein in der Lage meine Situation zu verändern und zu verbessern!

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6 Kommentare zu „Soziale Phobie oder mag ich einfach keine Menschen?

  1. In einigen Punkten finde ich mich wieder… deine Beiträge sind für mich immer interessant zu lesen, ich wusste bis eben auch nicht, dass es dich bei Instagram gibt, da folge ich dir nun auch.
    Du hast wirklich viel erreicht, auch wenn du selbst nicht immer siehst!! Du kannst sehr stolz auf dich sein

    Gefällt 1 Person

  2. Grüblerischer Zweifel ist der Schlüssel zur Handlungsunfähigkeit, die Ursache ist die gesellschaftskonforme Regelsprache (eben die Babylonische, so wie sie sich heutzutage gehört, damit es keinem stört), und die da heraus geborene Unwissenheit, denn innerhalb dieser, weiß niemand über seine eigenen Worte Bescheid. Das Wort ist das Lebensprogramm, und die Meisten, die dies nicht logisch fassen, die nehmen zu, Kilogramm für Kilogramm, die Schwerkraftaufhebung, die ist dadurch natürlich für sie im Abschwung.

    Gefällt 2 Personen

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